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Wenn der Leser zum Schreiber wird ...

von Anja Klauck am 04.11.2014 11:58:11

Dr Haffa und Partner: der arme Redakteur Dr Haffa und Partner: der arme Redakteur

Die Medienlandschaft verändert sich ständig – nicht erst seit und durch Digitalisierung. Online-Nutzer haben heute die Möglichkeit, immer und überall ihre Meinung kundzutun. Interessant jedoch wird dieses Phänomen, wenn dadurch hybride Medienformate entstehen, Nutzeräußerungen als kostenfreie redaktionelle Inhalte bereitgestellt werden, die Grenzen zwischen Sender und Empfänger verwischen.

Beispiele für die geschäftliche Nutzung von User Generated Content (UGC) gibt es einige. Vor nicht allzu langer Zeit hat das erfolgreiche Rezeptportal chefkoch.de seine Fangemeinde mit einer Print-Ausgabe überrascht. Auflage: immerhin 280.000 bei monatlicher Erscheinungsweise, Inhalt: die „beliebtesten und am besten bewerteten Rezepte“ des Online-Portals. Das Magazin entsteht „aus Deutschlands Küchen für Deutschlands Küchen“.

Als Beilage der Süddeutschen Zeitung wiederum fragt das +3 Magazin „Was ist Ihre Meinung“? Quasi als Weiterführung des Leserbriefs stellt die Redaktion Fragen zu gesellschaftspolitischen Themen und veröffentlicht die Antworten von Experten und Lesern. Den „Journalismus im Jetzt“ wollen die sympathisch wirkenden Herausgeber der SZ-Beilage, namentlich Robert Willmann und Iwan Ittermann, mit der Gründung des dahinter stehenden Warum Verlags. Ein alternatives journalistisches Konzept soll im Vordergrund stehen, mit Journalisten als „Kuratoren auf einer Plattform für den öffentlichen Diskurs“.

UGC: Geschäftsmodell oder maximale Meinungsfreiheit also? Ein wichtiger Faktor bei UGC ist, dass er nichts kostet. Das Kostenlosmodell schlug im Falle der Huffington Post, in deren US-Heimat vorwiegend unbezahlte Blogger Inhalte liefern, allerdings Wellen der Entrüstung. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) rief hierzulande noch vor Start des deutschen Portals zu Protestaktionen auf, wie die Süddeutsche Zeitung seinerzeit berichtete.

Als weitere Tendenz ist zu sehen, dass in Medien immer häufiger Expertenbeiträge von Unternehmen, also im strengen Sinne auch von Lesern generierte Inhalte, veröffentlicht werden. Es könnte der Eindruck entstehen – um mit einer Bild-Zeitungsschlagzeile zu sprechen – „Wir sind Redaktion“. Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn die Erstellung eines hochwertigen Fachartikels durch einen Kommunikationsdienstleister, der in der Regel damit beauftragt ist, folgt den gleichen Prinzipien wie eine Redaktion: Gründliche Recherche, gewissenhaftes Schreiben eines (hersteller- und produktneutralen) Textes, kritisches Redigieren beziehungsweise Überprüfen der Fakten und Schlusskorrektur. So können Fachmedien sicher sein, dass sie Beiträge bekommen, die den redaktionellen Standards entsprechen und das Beste aus beiden Welten vereinen: Insider-Expertenwissen aus dem Unternehmen und journalistischen Anspruch. Insofern ein positives Beispiel, wie User Generated Content tatsächlich eine Win-Win-Situation schaffen kann. Und bezahlt werden die Kommunikationsmitarbeiter auch.

Kategorien: Werkzeuge und Anwendungsbeispiele, Kommunikation, User Generated Content, Journalismus Trend, Medienlandschaft, Blog

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